Vergleich von IM-Clients durch c't mit Schwächen
Die Computerzeitschrift c't vergleicht in ihrer Ausgabe 19/2002 (Seite 136 ff.) 20 verschiedene Clients für Instant Messaging und bezieht hierbei pauschal auch Jabber als Testkandidaten mit ein. Die Ausführungen zu Jabber enden mit einer Aussage, die so unzutreffend ist und u.E. der nachstehenden Klarstellung bedarf, die zu einem völlig anderen Fazit führt.

Hauptursache für das Fehlurteil der c't ist die Verwechselung von Jabber mit JIM: Die c't schreibt, daß sie "Jabber" getestet hätte, in Wirklichkeit wurde aber nur JIM, einer von vielen Clients für die Nutzung von Jabber einem Test unterzogen und dies auch noch unter ungünstigen Voraussetzungen.
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Jabber ist weit mehr als ein Client für Instant Messaging
Jabber nur als Client für Instant Messaging zu betrachten, geht vollkommen an dem Ziel dieses Open Source Projekts vorbei.

Mit Jabber wurde zunächst ein offenes Protokoll geschaffen, die entsprechenden Dokumentationen wurden bei der IETF als Draft vorgelegt und waren bei der 54. Sitzung der IETF am 15. Juli 2002 in Yokohama Teil der Tagesordnung.

Zu Recht moniert die c't in ihrem o.g. Artikel, daß die vier großen Anbieter von IM-Systemen (AOL, MSN, Yahoo und T-Online) proprietäre Verfahren verwenden, die nicht mit anderen Systemen kommunizieren können, da die jeweiligen Anbieter ihre Protokolle "wie ihren Augapfel hüten". Mit Jabber wurde genau aus diesem Grunde ein offener, XML-basierter IM-Standard geschaffen.

Insoweit handelt es sich bei Jabber um ein eigenes IM-System, das den Vergleich mit den vorgenannten proprietären Systemen nicht zu scheuen braucht. Malte Kiesel hat auf seiner Website eine umfangreiche Liste weiterer Aspekte, die für Jabber sprechen, zusammengestellt.

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Jabber ist Client-Server-System
Zentraler Bestandteil des Projektes ist der Jabber-Server (jabberd), dessen Quellcode frei verfügbar ist. Über diesen Server kommunizieren die Clients miteinander, dabei ist es unerheblich, ob der jeweilige Kommunikationspartner am gleichen oder einem anderen Jabber-Server angemeldet ist. Der Jabber-Server beinhaltet in seiner "Grundausstattung" u.a. ein Modul für die Server-Server und die Client-Server Kommunikation.
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Modularer Server ermöglicht individuelle Konfiguration
Durch die Einbindung (bzw. Entfernung) verschiedener Komponenten ist eine sehr individuelle Konfiguration möglich. So läßt sich ein ausschließlich unternehmensintern nutzbares Instant Messaging System genauso realisieren, wie durch die Integration anderer Module z.B. die Nutzer des Jabber-Servers in LDAP-Verzeichnisdiensten oder SQL-Datenbanken verwaltet werden können.

Wie bei vielen anderen Open Source Projekten auch ist die Implementierung einer SSL-gesicherten Client-Server Kommunikation unkritisch und Bestandteil des im Quellcode vorliegenden Servers.

Es stehen verschiedene Module zur Verfügung, die serverseitig den Übergang zu fremden, proprietären IM-Diensten realisieren. Es existieren u.a. Module für die Nutzung von AIM, ICQ, MSN und Yahoo.

Für den Jabber-Client sind diese Gateways transparent: Er meldet sich lediglich an einem Jabber-Server an, der diese Gateways freigeschaltet hat. Insoweit funktioniert ein Jabber-Server auch als Proxy bei der Kommunikation mit fremden IM-Systemen, gerade beim Betrieb in einem Unternehmensnetzwerk ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Schließlich existieren diverse andere Module, die es dem Administrator z.B. erlauben, die Filterung von Nachrichten zu ermöglichen, individuelle Gruppenchats einzurichten etc.
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Mehr als ein Dutzend Clients
Für die Nutzung des Jabber-Protokolls existieren inzwischen weit mehr als ein Dutzend Clients für die verschiedensten Betriebssysteme, die sich durch ihren teilweise beträchtlichen Funktionsumfang auszeichnen.

Fast alle Clients bieten die Möglichkeit, die Kommunikation mit dem Server mittels SSL zu verschlüsseln, einige Clients bieten darüber hinaus an, die versendeten Nachrichten "on the fly" mittels PGP bzw. GnuPG zu verschlüsseln, um eventuell zu neugierigen Server-Admins das Mitlesen der Nachrichten zu verwehren.

Die Vielzahl der inzwischen vorhandenen Clients wäre einen eigenen Vergleichstest wert, da natürlich nicht jeder Client jedes denkbare Feature unterstützt.
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Fazit: Test mit Schwächen
Die in eingangs genanntem Vergleichstest dargestellte Schwäche von Jabber beim Übergang zu Drittsystemen resultiert aus einem völlig anderen Grund: Die serverseitig modular zuschaltbaren Gateways in Drittsysteme funktionieren problemlos, allerdings blockieren mindestens zwei Betreiber proprietärer Dienste (nämlich AOL und Yahoo!) den Zugang über einzelne Jabber-Server, hiervon sind u.a. die Server von jabber.com und jabber.org betroffen, dies wurde bereits 2001 dokumentiert. Eine (unvollständige) Liste der offenen Server, die Gateways anbieten, gibt es auf den Seiten der JSF, aber auch BetterCom betreibt einen offenen Jabber-Server, dessen Gateways (noch) nicht seitens der proprietären Betreiber gesperrt sind. Es bleibt zu hoffen, daß diese ihre "Closed-Shop-Philosophie" in absehbarer Zeit über Bord werfen und so wirklich grenzenloses Instant Messaging möglich machen.

Es wäre wünschenswert gewesen, wenn o.g. Fakten in dem Vergleichstest berücksichtigt worden wären, so muß sich der Artikel leider den Vorwurf gefallen lassen, zumindestens hinsichtlich Jabber mangelhaft recherchiert zu sein. Das ist schade, auch deshalb, weil sich die c't sonst durch ihre objektive Berichterstattung, bei der regelmässig auch Open-Source-Projekte einfliessen, auszeichnet.
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Jabber: System mit Zukunft
Aufgrund des offengelegten Standards mit seinen zahlreichen Erweiterungen bieten sich mit Jabber eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten an, die weit über das reine Versenden von Sofortnachrichten hinausgehen. So hat BetterCom auf Jabber-Technologie basierend ein Börsenbeobachtungssystem realisiert, das die Nutzer dieses Systems individuell über von ihnen definierte Kursänderungen informiert.

Schließlich stellt BetterCom ein Whitepaper zur Verfügung, um sich umfassend über diese Technologie zu informieren.
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